rp08 - 0.5

re:publica´08
Die kritische Masse

Lars Lewerenz

Lars Lewerenz wäre das beste Beispiel für erfolgreichen Anti-Intellektualismus. Seine sprichwörtliche Streetness, die auch in seinem Outfit und den Dingen, die er erzählt, wie er sie erzählt, auf charmanteste Weise zum Ausdruck kommt, ermöglicht es ihm, mit dem Kioskbesitzer um die Ecke genau so gut klar zu kommen wie mit zweifelhaften Kiezbrüdern. Oder mit neugierigen, wichtig-wichsigen Medienvertretern, die hellhörig geworden sind und kommen und klopfen und kucken, was es denn auf sich hat mit diesem kleinen Einzelkämpferlabel aus Hamburg, das die Jugend so verzückt, ohne dass es es nötig hat, von Waffen, Nutten, Ficken und Koks zu schwadronieren. Dieselben Medienvertreter haben vor einigen Jahren noch abgewinkt, Kinderkram wäre das doch alles nur. Na ja. Inzwischen ist Audiolith eine Art gemeinschaftsfördernde Keimzelle einer Nischenjugendsubkultur, die sich aus Atari, Astra und Aufbruchsstimmung zusammensetzt, wenn man gewillt ist zu begreifen, dass es um mehr geht als um labelspezifische Sounds, Verkaufszahlen und Marketingstrategien. Nichtsdestotrotz, die Professionalität, der Wille und die Bereitschaft, alles zu geben, fordert Lewerenz von sich und seinen Künstlern ein.