rp08 - 0.5

re:publica´08
Die kritische Masse

Speakers
Benedikt Köhler
Marc Scheloske
Tina Günther
Martin Memmel
Schedule
Day 3
Room Workshop 2
Start time 15:00
Duration 01:30
Info
ID 209
Event type Workshop
Track plauschen und tauschen
Language German

Social Media in der Wissenschaft

Hard Bloggin Scientists: Möglichkeiten und Grenzen einer Wissenschaft 2.0

Marc Scheloske: Blogs in der Wissenschaft (oder: Zukünfte der wissenschaftlichen Kommunikation) - Möglichkeiten und Grenzen einer Wissenschaft 2.0

Dr. Tina Guenther: "Das macht bei uns die Hilfskraft." Über die Potenziale von "Web 2.0" in den Sozialwissenschaften und weshalb sie ungenutzt bleiben.

Benedikt Köhler: Anmeldung auf der Internetseite des Arbeitsbereiches" - Wo steckt das Internet in den soziologischen Curricula?

Martin Memmel: Die Metadatenrevolution: Vom Zettelkasten zum Repository 2.0

Marc Scheloske: Blogs in der Wissenschaft (oder: Zukünfte der wissenschaftlichen Kommunikation) - Möglichkeiten und Grenzen einer Wissenschaft 2.0

Die Wissenschaft ist ein traditionsreiches Unternehmen. Ihre Regeln, Methoden und Gepflogenheiten haben sich bewährt. Dasselbe gilt für das wissenschaftliche Kommunikationssystem. Diese Sichtweise ist legitim und bleibt dennoch blind für all die Möglichkeiten, die etwa das Web 2.0 bietet.

Wer analysiert, wie der wissenschaftliche Diskurs (nach innen und außen!) heute organisiert ist, stellt fest, daß man sich größtenteils ganz gut mit dem gemächlichen Schritt-Tempo arrangiert hat. Warum begibt sich die Wissenschaftskommunikation nicht endlich auf die Überholspur? Weiß man nicht, wie man den Blinker setzt?

Ist die Zurückhaltung der Wissenschaft gegenüber den Möglichkeiten des Web 2.0 verständlich? Tut sie vielleicht sogar gut daran, den Bloghype zu ignorieren? Oder hat sie nur noch nicht begriffen, welche Chancen wissenschaftliche Blogs darstellen? Wie sieht sie aus, die Wissenschaftskommunikation 2.0?

Welcher Nutzen, welcher Mehrwert für die Wissenschaftskommunikation sind durch die Nutzung von Blogs überhaupt denkbar? Was zeichnet wissenschaftliche Blogs aus? Wo und wie wird gebloggt? Und ist es – wenn Blogs und Wissenschaft eine Verbindung eingehen – eine Liebesheirat oder ein Zweckbündnis? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: Wer profitiert? Profitieren die Blogs von der Wissenschaft oder umgekehrt die Wissenschaft von den Blogs? Oder kurz: wozu sollte es gut sein, wenn die Wissenschaft endlich die Blogosphäre entdeckt?"

Dr. Tina Guenther: "Das macht bei uns die Hilfskraft." Über die Potenziale von "Web 2.0" in den Sozialwissenschaften und weshalb sie ungenutzt bleiben.

In den Sozialwissenschaften werden die mit "Web 2.0" verknüpften Internetanwendungen vor allem mit Dilettantismus, Plagiatismus und zusätzlicher Arbeit assoziiert. Nachwuchswissenschaftler mit Online-Biografie sehen sich mit unverhohlenen Vorwürfen der Zeitvergeudung und verminderten Aufstiegschancen konfrontiert, hätten sie ihre Zeit doch besser in wissenschaftliche Abhandlungen investiert. Professoren übertragen Aufbau und Wartung von Institutshomepages typischerweise einer Pressestelle oder Hilfskraft. Kein Wunder, dass in es den Sozialwissenschaften bisher kaum Bestrebungen gibt, die Potenziale des "neuen Netz" für den professionellen Gebrauch in den Sozialwissenschaften zu erschließen und es anderen Disziplinen besser gelingt, Öffentlichkeiten für ihre Themen und Anliegen zu generieren. Dabei haben Wachstum, Dynamik, technologische Entwicklung, Geschäftsmodelle und Gebrauchsweisen spätestens mit "Web 2.0" eine Schwelle überschritten, jenseits derer ein proaktiver Gebrauch des Internet zu den Basisqualifikationen eines jeden Sozialwissenschaftlers gehört: Das Internet könnte Arbeitsplatz, Bibliothek, Werkzeugschrank, Arbeitskreis, Visitenkarte und Feedbackschleife in einem sein, wenn man es entsprechend nutzen würde. Gegenstand Vortrags ist es, die Potenziale des "neuen Netz" für den professionellen Gebrauch in den Sozialwissenschaften auszuloten und der Perspektive der Wissenschaft als Feld die Frage zu beantworten, weshalb diese Potenziale in den Sozialwissenschaften bisher kaum ausgeschöpft werden.

Benedikt Köhler: "Anmeldung auf der Internetseite des Arbeitsbereiches" - Wo steckt das Internet in den soziologischen Curricula?

Es ist ein Widerspruch, an dem Paradoxie-Gourmets wie Niklas Luhmann sicher ihre Freude gehabt hätte: Auf der einen Seite tummeln sich die Studenten an deutschen Unis munter auf Facebook oder StudiVZ und der Gedanke, eine Seminararbeit ohne Wikipedia-Recherche zu schreiben, ist phantastisches Wunschdenken altmodischer Zettelkasten-Dozenten. Auf der anderen Seite findet das Internet (über das Web 2.0 brauchen wir gar nicht zu reden) in den Lehrplänen kaum statt. Ich möchte diese Aussage mit ein paar Beobachtungen und Zahlen aus der deutschen Universitätslandschaft belegen und nach möglichen Gründen suchen. Liegt es daran, dass das Internet deshalb nicht als solches vorkommt, weil es als Querschnittphänomen überall Eingang gefunden hat? Oder liegt es an der Selbstverständlichkeit der Internetnutzung, die ihre Beobachtung unmöglich macht? Ist es eine postmarxistische Abneigung dieses durchkommerzialisierten Mediums? Wenn ja, wo bleibt dann die Kritik? Oder gibt es vielleicht doch einige "Leuchttürme" oder "thematische Inseln" in der Soziologie, wo das Internet nicht nur ernst genommen, sondern sogar verstanden wurde?

Martin Memmel "Die Metadatenrevolution: Vom Zettelkasten zum Repository 2.0"

Üblicherweise herrscht in digitalen Repositories eine "Metadaten-Monokultur", die wenig oder keinen Raum Subjektivität und individuelle Empfehlungen zulässt. Im "Social Media"-Kontext sind solche Techniken dagegen selbstverständlich. Der Vortrag beschäftigt sich mir der Frage, wie man Repositories "sozial" machen und einen alternativen Zugang zu den Inhalten bieten kann. Eine konkrete Lösungsmöglichkeit wird mit der Plattform ALOE (http://aloe-project.de) vorgestellt, die als "sozialer Hub für Ressourcen und Metadaten" dient.